ANGST VOR GRENZÖFFNUNG … Aldi senkt wegen Einkaufstourismus die Preise

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Die Grenze nach Deutschland geht wieder auf. Schweizer Detailhändler fürchten die Rückkehr des Einkaufstourismus und ergreifen erste Notmassnahmen. Aldi senkt mehrere Preise um über 30 Prozent.

Champagner, Risotto und Mayonnaise – diese Produkte sind neu ein Drittel günstiger bei Aldi Suisse. Damit will der Detailhändler die Schweizer Kunden halten. Denn am Montag öffnet die Grenze nach Deutschland, und die hiesigen Läden fürchten sich vor der Rückkehr des Einkaufstourismus. Schliesslich haben die Schweizer bisher jährlich für 10 Milliarden Franken im Ausland eingekauft.

Aldi Suisse startet deshalb eine dauerhafte Preissenkung auf zunächst 20 Produkten, wie die «SonntagsZeitung» schreibt. Abschläge auf weitere 20 Produkte sollen demnächst folgen. Damit will der Discounter die während der Corona-Zeit neu gewonnenen Kunden halten.

Lieber weniger Einnahmen als Einkaufstouristen

Um die Preise zu senken, will Aldi aber nicht bei den Lieferanten sparen. Der Discounter werde die Kosten für die Preissenkungen selber finanzieren. Doch wieso kann der Detailhändler einfach die Preise dauerhaft senken? «Das ist eine Mischrechnung», erklärt Christian Fichter, Wirtschaftspsychologe mit Schwerpunkt Konsumforschung an der Kalaidos-Fachhochschule.

Sinken die Preise bei einem Teil des Sortiments, werde die Marge bei anderen Produkten erhöht. Schlussendlich sinken zwar die Einnahmen der Detailhändler. «Aber für sie ist das besser, als wenn ihre Kunden wieder nach Deutschland gehen.»

Mehr Rabatt in Grenznähe

Auch Lidl reagiert auf die Grenzöffnung: Bei Filialen in Grenznähe erhalten Kunden ab 100 Franken einen Rabatt von sieben Prozent auf den Einkauf. Bei 200 Franken gibt es sogar 19 Prozent. Allerdings läuft die Aktion wohl nur bis Anfang Juli.

Migros und Coop planen laut eigenen Angaben keine speziellen Aktionen, um die Schweizer Kunden zu halten. Wobei die Migros bereits bei vielen Produkten die Preise gesenkt hat. Coop baut seine Billiglinie Prix Garantie stark aus.

Nachhaltigkeit animiert zum Konsum in der Schweiz

Die Massnahmen von Aldi und Lidl könnten Wirkung zeigen: Sinken die Preise tatsächlich, merkten das die Konsumenten und kauften eher in der Schweiz ein, sagt Fichter. «Vor allem verbessern solche Aktionen das Image der Anbieter. Es handelt sich also in erster Linie um eine Marketingmassnahme.»

Um Schweizer zum Einkauf im eigenen Land zu bewegen, brauche es einen Appell an den Gemeinsinn. «Corona hat uns gezeigt, dass wir als Gesellschaft zusammenstehen müssen», so Fichter. Auch müsse beworben werden, dass Schweizer Produkte meist nachhaltiger und fairer sind.

Kleine Geschäfte leiden

Während grosse Detailhändler die Preise senken, geraten die kleinen Händler unter Druck: Viele von ihnen können die Preise nicht einfach senken, ohne dass sie in Existenznot geraten. «Darum müssen kleine Händler noch mehr auf Service und Beratung setzen», sagt Gewerbeverbandsdirektor Hans-Ulrich Bigler.

Auch müssten kleinere Geschäfte vermehrt online ihre Ware anbieten, findet Bigler. Nur so könnten sie im Preiskampf mithalten. Dass die Schweizer wieder vermehrt im Ausland einkauften, dagegen könne man aber nicht viel machen. (20min)

Busse von 100 Franken

Am 15. März wurde die Grenze wegen der Corona-Pandemie zwischen Deutschland und der Schweiz geschlossen. Es gab Grenzkontrollen und es durfte nur mit einem triftigen Grund eingereist werden: Ausnahmen bildeten dringende Gründe wie Beerdigungen, der Nachzug zum in Deutschland lebenden Ehepartner oder medizinische Gründe. Einkaufstourismus war ein No-Go. Wer es trotzdem probierte, musste mit einer Busse von 100 Franken rechnen. Ausfuhrzettel gab es auch keine mehr. Diese wurden am 2. Juni wieder eingeführt.

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