China ruft Uigurinnen zur Mischehe mit Han-Männern auf

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China ruft Uigurinnen zur Mischehe mit Han-Männern aufDie chinesische Bevölkerung weist einen Männerüberschuss auf. Um das Problem zu lösen, fordert die Regierung in einem Videoclip 100 Uigurinnen auf, eine Mischehe mit Han-Männern einzugehen. Aktivisten zufolge sind diese Ehen keineswegs freiwillig. China ruft Uigurinnen zur Mischehe mit Han-Männern auf

In einem Videoclip fordert China 100 uigurische Frauen auf, eine Mischehe mit chinesischen Männern einzugehen. Das 30-sekündige Werbevideo ist in den sozialen Medien viral. Zunächst erschien der Clip auf Douyin, der chinesischen Version von TikTok. Uigurische Aktivisten posteten es auch auf Twitter und Facebook. Sie wollen damit auf Pekings Politik gegen die ethnische Minderheit aufmerksam machen. Ihrer Ansicht nach versucht die Kommunistische Partei Chinas (KPCh), die turksprachigen Gruppen in der Region Xinjiang zu sinifizieren – also eine „Ausrottung“ der uigurischen Kultur zu erreichen, heißt es im Bericht des US-Auslandssenders „VOA“.

Es handele sich bei dem Video um einen Versuch der chinesischen Regierung, eine größere Assimilierung von Uiguren zu erreichen und die ethnischen Unterschiede zu verringern. Das erklärte der US-Anthropologe und China-Experte Darren Byler von der Universität Washington. Uiguren würden dabei in von Han dominierten Beziehungen hineingedrängt. Die Förderung der Mischehen habe scheinbar Priorität in Xinjiang.

Politik der Mischehen

Berichte über Chinas Förderung von Mischehen zwischen Uiguren und Han-Chinesen gehen bereits auf August 2014 zurück. Lokale Behörden im Landkreis Cherchen in Xinjiang haben damals die „Anreizmaßnahmen zur Förderung der uigurisch-chinesischen Mischehen“ angekündigt.

Die Maßnahmen sahen eine Reihe von Anreizen seitens der Regierung vor, darunter eine Barvergütung an die verheirateten Paare in Höhe von 10.000 Yuan (1.450 US-Dollar) jährlich für fünf Jahre. Das Anreizpaket beinhaltete auch eine Vorzugsbehandlung in Bezug auf Beschäftigung, Wohnen und kostenlose Bildung für die Paare, ihre Eltern und Nachkommen.

„Religiöser Extremismus“ sei die Ursache einer Assimilation von Uiguren und Han-Chinesen, heißt in einem Artikel vom Januar auf der chinesischen Website „NetEase“. Nationale Volkszählungen zwischen den Jahren 2000 und 2010 hätten gezeigt, Xinjiang weise die niedrigste Rate an Mischehen unter ethnischen Minderheiten auf. Das berichtete Mau Tao, ein KPCh-Beamter im Bezirk Guma. Aus diesem Grund sei Xinjiang die Heimat von „Separatismus, Terrorismus und Extremismus“.

Demografischer Wandel

Während chinesische Behörden sagen, die Mischehen in Xinjiang förderten „Toleranz und Frieden“ in der Region. Titulieren uigurische Diasporaführer sie als Teil der Bemühungen, die uigurische Identität zu untergraben und die Demografie der Region zu verändern.

Xinjiang ist die Heimat von mehr als 13 Millionen Muslimen – Uiguren, Kasachen und anderen ethnischen Gruppen. Demografisch haben sie einen rasanten Anstieg innerhalb der chinesischen Bevölkerung erlebt. Ihre Zahl stieg von knapp über 200.000 im Jahr 1949 auf fast neun Millionen in den letzten Jahren.

Die Politik der Mischehe ist auch gleichzeitig ein Versuch, das Problem des Männerüberschusses in der chinesischen Bevölkerung zu lösen. Uigurische Frauen sollen nach Ansicht Chinas das demografische Defizit schließen, meint Dolkun Isa, Präsident des in München ansässigen Uigurischen Weltkongresses. In China gibt es weit mehr Männer als Frauen. Grund dafür ist die Ein-Kind-Politik der Volksrepublik, die zu massiven Abtreibungen von Mädchen führt, da Jungen bevorzugt werden. So versuche China, „die Geschichte umzuschreiben“ und uigurische Frauen in die dominierende han-chinesische Gemeinschaft zu assimilieren, erklärte Isa. Einige uigurische Aktivisten behaupten, uigurische Frauen bleibe oft keine andere Wahl, als eine Mischehe einzugehen. Wenn sie sich weigern, könnten die Behörden in Xinjiang sie und ihre Familien als Extremisten abstempeln – wie Beispiele zeigten. Ethnische Fusion durch staatliche Maßnahmen Peking hat in der Vergangenheit ähnliche Kampagnen für Mischehen gestartet, die auf andere ethnisch-religiöse Minderheiten im Land abzielten. Die Regierung kündigte solche Maßnahmen in Tibet für 2010 an. Das Endziel einer solchen Politik bestehe eindeutig darin, eine ethnische Fusion zu erzwingen oder zu beschleunigen – eine „minzu ronghe“. So Vanessa Frangville, Professorin für Chinastudien an der Freien Universität in Brüssel. Die Idee sei, für die Schaffung eines kohärenten und geeinten Chinas – Menschen mit verschiedenen ethnischen Hintergründen zu ermutigen, sich zu vermischen.

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