CORONA-KRISE TRIFFT AUSLÄNDISCHE WOHNBEVÖLKERUNG HART

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CORONA-KRISE TRIFFT AUSLÄNDISCHE WOHNBEVÖLKERUNG HART

Obwohl noch keine detaillierten Zahlen vorliegen, verdichten sich die Anzeichen, dass die Folgen des Corona-Virus Einwanderer und ihre Familien besonders hart trifft. In der Schweiz, Deutschland und in Österreich sind die Auswirkungen bereits zu spüren.

Von Beat Kraushaar und Cemil Baysal / Layout: M.Ali Akpinar

Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise trifft nicht nur die Einheimische, sondern vor allem auch die Einwanderer hart. Im besonderen Masse betroffen sind Menschen aus den Balkanländern,  der Türkei und Portugal, die zusammen zahlenmässig die grössten Bevölkerungsgruppen darstellen.  Fast  eine Million von ihnen leben in unserem Land. Viele von ihnen arbeiten traditionell in der Gastronomie, im Detailhandel, als Coiffeure, Taxifahrer oder selbstständige Kleinunternehmer.

Alles Berufe, deren Geschäfte jetzt wegen dem Corona-Virus geschlossen wurden. Und es sind meistens Berufe im Billiglohn-Sektor, die es nicht erlauben Geld auf die Seite zu legen, um für einige Monate zu überleben. Auch wenn sie Arbeitslosengeld erhalten, reicht das nur knapp zum Überleben. Wenn man zum Beispiel 4000 Franken verdient und dann noch 80 Prozent des Lohnes bekommt, bleiben noch 3200 Franken. Es drohen Kündigungen der Miete, da man diese nicht mehr bezahlen kann. Oder der Gang zum Sozialamt um über die Runden zu kommen.

B.B* aus Zürich ist so ein Fall. Er ist seit 6 Jahren selbständiger Taxifahrer. Mit den geforderten zwei Meter Abstandsregel kann er praktisch keine Fahrgäste mehr aufnehmen und wurde von einem Tag auf den anderen arbeitslos. Ob und wann er vom Staat finanzielle Unterstützung bekommt weiss er nicht. „Wenn wir nicht schnell Hilfe bekommen, kann ich wegen dem Verdienstausfall die Miete nicht mehr bezahlen“. sagt BB zum Magazin NAZAR. 

Das Corona-Virus könnte für die Einwanderer zudem längerfristig schwerwiegende Konsequenzen haben. Viele Kantone haben in letzter Zeit die Einbürgerungsgesetze verschärft. Erst vor kurzem hat das Aargauer Stimmvolk beschlossen, dass Einwanderer nicht eingebürgert werden können, wenn sie in den letzten 10 Jahren Sozialhilfe bezogen haben. Andere Kantone wie Bern, Graubünden usw. haben ähnliche scharfe Regelungen. Es wäre ein Skandal, wenn heute Einwanderer aus der Türkei, Ex-Jugoslawien oder anderen Ländern wegen der Corona-Krise Sozialhilfe beziehen müssen und deswegen die Einbürgerung verweigert wird.

 Die Politik ist daher dringend aufgerufen, diese Gesetze so anzupassen, dass die ausländische Wohnbevölkerung wegen der Corona-Katastrophe, deswegen nicht diskriminiert wird. 

Die Schweiz muss jetzt auch daran erinnert werden, dass vor allem Frauen aus der Türkei, Ex-JugoslawienPortugal  oder der dritten Welt in Pflegeberufen tätig sind. Ohne sie würde gerade jetzt wegen des Corona-Notstandes die Spitäler und Altersheime kaum mehr funktionieren. Gefragt ist daher in Zukunft nicht mehr eine Politik die gegen Einwanderer Stimmung macht und sie diskriminiert, sondern Solidarität mit den eigenen so wie den ausländischen Menschen. 

* Name der Redaktion bekannt.

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