Corona: Medien ignorieren Expertinnen oft

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Amerikanische und auch britische Journalisten stellen Krise wie Krieg dar – Fokus liegt auf Männern

In der Berichterstattung über das Coronavirus geben Medien Frauen kaum Platz, um sich zu äußern. Expertinnen kommen in der journalistischen Aufbereitung in nur etwa 20 Prozent der Fälle zur Sprache, wie eine Studie der Marktforschungsfirma Addy Kassova Audience Strategy (Akas) http://akas.london im Auftrag der Bill and Melinda Gates Foundation ergibt. Den Autoren zufolge stellen vor allem amerikanische und britische Medien die Corona-Krise wie einen Krieg dar und sehen Männer im Kampf dagegen vermeintlich besser gerüstet.

„Tief verankertes Bild“

„Die deutsche Berichterstattung ist zwar nicht so kriegerisch wie zum Beispiel die von ‚CNN‘. Aber auch hier zeigt sich ein tief verankertes Bild, laut dem nur der Mann weise ist. Medien befragen deshalb meistens Männer. Das entwickelt eine Eigendynamik und verstärkt dieses Klischee weiter“, sagt Elizabeth Prommer, Leiterin des Instituts für Medienforschung an der Universität Rostock http://www.imf.uni-rostock.de , gegenüber pressetext. Sie hat in Deutschland eine ähnliche Erhebung durchgeführt. Auch hier seien gezeigte Experten zu 80 Prozent männlich.

Die Analysten von Akas haben für ihre Studie die journalistische Aufbereitung der Corona-Krise für die USA, Großbritannien, Südafrika, Kenia und Indien untersucht. Etwa 44.000 Meldungen von 80 verschiedenen Publikationen hat das Team analysiert. Im Durchschnitt waren dabei für jede Expertin vier Experten zu sehen. Am stärksten ist die Ungleichheit in den USA, hier tauchen Männer fünfmal so wahrscheinlich in der Berichterstattung auf wie Frauen.

Frauen oft marginalisiert

Vor allem männliche Politiker erhalten von Medien die meiste Aufmerksamkeit. Kommen Frauen zur Sprache, handelt es sich selten um Expertinnen, sondern meistens um von der Corona-Krise Betroffene. Sie werden entweder als Opfer dargestellt oder geben nur ihre persönliche Meinung wieder. Dabei machen sie in den fünf untersuchten Ländern fast 90 Prozent des Pflegepersonals aus. Studienleiterin Luba Kassova befürchtet, dass die Stimmen von Frauen in der Krise zunehmend marginalisiert werden.

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