Depressive Mütter erhöhen Baby-Herzschlag

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Auch Angststörungen wirken sich auf die physiologische Verfasstheit der Kinder aus

Babys von Müttern mit Angstzuständen oder Depressionen weisen stärkere Anzeichen von physiologischem Stress auf als jene von gesunden Müttern. Das haben Forscher der Universität Heidelberg http://uni-heidelberg.de im Zuge von gezielten Belastungstests herausgefunden. Die betroffenen Babys haben eine deutlich erhöhte Herzfrequenz. Dies könnte beim Heranwachsen zu eingeprägten emotionalen Belastungen führen, befürchten die Wissenschaftler.

Kinder verarbeiten Stress

Die Interaktion zwischen Mutter und Kind, vor allen in den ersten Monaten des Lebens, spielt bei einer gesunden Entwicklung eine große Rolle. Manche Mütter, vor allem jene, die unter affektiven Störungen wie Depressionen, Angstzuständen oder einer postnatalen Depression leiden, haben Schwierigkeiten, die negative Affektion der Kinder zu regulieren. Das dürfte bei den Kindern in späterem Alter zu Unsicherheiten führen. Affektive Störungen wie Reizbarkeit, wechselnde Stimmungen und leichte Depressionen sind während der Schwangerschaft und nach der Geburt verbreitet. Davon betroffen sind zehn bis 20 Prozent der Frauen.

Die Auswirkungen emotional distanzierter Mütter auf Kleinkinder wurde erstmals in den 1970er-Jahren bei dem berühmten „Still-Face-Experiment“ untersucht. Mütter wurden ersucht, spielerisch mit ihren Kindern zu interagieren und anschließend eine Zeit lang jede Interaktion zu unterlassen und erst dann wieder einen normalen Kontakt aufzunehmen. Während der zweiten Phase wiesen die Kinder eine erhöhte negative Emotionalität auf. Dazu kamen eine Verringerung des sozialen Engagements und Vermeidungsverhalten.

Acht Herzschläge mehr

Nun wurde nachgewiesen, dass während der Periode, in der die Mütter ihre Aufmerksamkeit entziehen, Kinder von Müttern mit Angstgefühlen und Depressionen über einen deutlichen Anstieg der Herzfrequenz verfügen. Ihr Herzschlag nimmt im Schnitt um acht Schläge pro Minute zu. Diese Kinder wurden von ihren Müttern auch eher mit einem schwierigeren Naturell beschrieben als gesunde Kinder. Laut Forschungsleiter Fabio Blanco-Dormond sind diese physischen Auswirkungen erstmals bei drei Monate alten Kindern beobachtet worden.

An der Studie nahmen 50 Mütter mit ihren Kindern teil. 20 Mütter litten rund um die Geburt an Depressionen oder Angststörungen. Bei jedem Mutter-Kind-Paar wurde das Still-Face-Experiment durchgeführt. Die Mütter wurden ersucht, zwei Minuten lang mit ihrem Kind zu spielen und dann jede Interaktion zu stoppen, während sie den Augenkontakt hielten. Nach zwei weiteren Minuten wurde weitergespielt.

Während des Tests wurden die Herzschlagraten von Mutter und Kind gemessen. Hatte die Mutter Angst oder litt unter Depressionen, verfügte ihr Kind über eine empfindlichere physiologische Reaktion auf den Stress während des Tests. Dabei handelte es sich um eine statistisch signifikante Erhöhung von durchschnittlich acht Herzschlägen pro Minute. Laut Blanco-Dormond handelt es sich um vorläufige Schlussfolgerungen, die mit einem größeren Sample überprüft werden müssen.

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