Hüzünlü Gurbet (Traurige Fremde)

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Jedes Jahr am Tag der Arbeit am 1. Mai kommen „Sie“ mir als erstes in den Sinn. Die ersten türkischen Gastarbeiter, die anfangs der 60-er Jahre aus Anatolien nach Deutschland ausgewandert sind. Sie wurden in der Türkei „Gurbetçiler“ genannt. Übersetzen kann man den Begriff als „diejenigen die in der Fremde leben“. Aber diese Übersetzung ersetzt nicht seine sinnliche Bedeutung. Das Wort „Gurbetçi“ hat einen viel tieferen und emotionaleren Ursprung. Unzählige Lieder erzählen von ihrer Sehnsucht nach der Heimat. Ihre Geschichte berührt die Herzen.

Als Deutschland damals als Folge des Wiederaufbaus nach dem 2. Weltkrieg immer mehr Arbeitskräfte brauchte, schloss man im Jahr 1961 ein Anwerbeabkommen mit der Türkei. Somit migrierten viele Menschen ins Land.  Unter ihnen waren gelernte Berufsleute wie ungelernte Hilfskräfte. Damals wurden sie mit Jubel und Trubel empfangen.  „Alamanya“, das Land der Alemannen, war für diese Menschen das Land ihrer Träume. Zu Beginn waren es vor allem junge Männer. Sie liessen ihre Frauen, ihre Verlobten und Geliebten, ihre Eltern und Kinder zurück. Sie wollten ihren Familien ein besseres Leben ermöglichen. Es sollte nicht lange dauern. Nur ein Jahr oder zwei. Wenn das Geld für den Traktor oder für die Schafe gespart war, wollten sie wieder zurückkommen und weiter unter besseren Umständen auf ihren Feldern und Bauernhöfen arbeiten. Aus diesen zwei Jahren wurden dann drei, vier, fünf… Noch ein bisschen mehr, noch ein Auto und noch ein Haus… Je länger sie blieben, desto länger wurden die Listen. Die Bedingungen unter denen sie damals arbeiteten waren schwer. Das machte aber nichts. Sie waren sich harter Arbeit von der Heimat gewohnt. Ihre Lebensbedingungen waren oft miserabel. Sie lebten in Wohngemeinschaften oder Baracken, wo sie die Küche und das Bad mit vielen anderen teilen mussten. Trotzdem beschwerten sie sich nicht. Sie waren glücklich darüber, dass sie eine Arbeit und ein Dach über dem Kopf hatten. Sie lebten bescheiden und schickten das Ersparte zu ihren Familien. Aber die meisten sahen mit der Zeit ein, dass dieser Aufenthalt in Deutschland nicht von kurzer Dauer sein würde. Deshalb holten sie auch ihre Ehefrauen nach. Auch für sie gab es hier Arbeit. Somit würden sie zusammen mehr verdienen und schneller zurückkehren. Deshalb liessen die meisten ihre Kinder bei den Grosseltern. Auch meine Eltern gehörten damals zu diesen Familien. Als die Frauen kamen entwickelten sich nach und nach Freundschaften zwischen den Gastarbeiterfamilien. Sie spendeten sich gegenseitig Trost in einem Land, dessen Sprache und Kultur für sie fremd war. Somit konnte man mit ihnen zumindest ein bisschen die Sehnsucht nach der zurückgelassenen Familie und den Kindern in der Türkei stillen.  

Meine Mutter schilderte ihre Erinnerungen an diese Zeit manchmal mit etwas Trauer manchmal aber auch mit viel Humor. Wenn sie im Lebensmittelladen nach Eiern gesucht haben gackerten sie wie Hennen, damit die Verkäuferin ihr Anliegen verstand. Einmal wusch sie die Treppen des Apartments wo sie wohnten mit reichlich viel Wasser, wie es in ihrem Dorf in der Türkei üblich war. Als die Vermieterin das sah rief sie: „Lass das, das ist zu nass“. Meine Mutter meinte aber sie freue sich, dass sie die Treppen wäscht und rufe “wasch, wasch“. So wusch sie voller Freude weiter. Oder sie backte im Ramadan kiloweise „Börek“ und wollte von meinem Vater, dass er diese an ihre deutschen Nachbarn verteilt. Es gibt noch zahlreiche lustige, aber auch traurige Geschichten.

So verging die Zeit, die ersten Kinder kamen in der Fremde auf die Welt. Einige von Ihnen wurden auch zu ihren Geschwistern in der Heimat geschickt. Als sie aber merkten, dass nicht alles nach Plan läuft und sie noch lange hierbleiben werden, holten sie auch ihre Kinder aus der Türkei nach. Mit der Zeit verteilten sie sich in ganz Europa. „Gurbet“ wurde zu ihrer zweiten Heimat.

In der Türkei wurden sie als „Alamancılar“, bezeichnet. Diejenigen, die aus Deutschland kommen. Hinter diesem Begriff versteckte auch etwas Neid. Denn mit der Zeit konnten sie sich mit der hart verdienten Geld Autos und Ferien in der Türkei leisten und die in der Türkei zurückgebliebenen Verwandten wurden reichlich beschenkt. Trotzdem wurden sie mit der Zeit hier wie auch dort zu Fremden. Sie litten jahrelang darunter, dass sie den Spagat zwischen den Kulturen nicht meistern konnten. Viele wurden krank. Ihre Seelen wie auch ihre Körper waren durch jahrelange harte Arbeit und das Leben in einem für sie fremden Welt verwundet. Ihre Sehnsucht nach der Heimat blieb. Nur manche von ihnen konnten sich den Traum, wieder nach Hause zurückzukehren, verwirklichen. Andere konnten es nicht übers Herz bringen, ihre Kinder und ihre Enkelkinder hier zu lassen. Sie pendeln immer noch hin und her. Wiederum andere konnten die fremde Heimat nur noch am Frachtraum eines Flugzeugs verlassen und ihre endgültige Reise in Richtung Heimat antreten.  Jeder von ihnen hat seine eigene Geschichte. Sie wurden als Arbeitskräfte angesehen aber in erster Linie waren sie Menschen mit ihren Träumen, Sehnsüchten, Lieben und Erwartungen vom Leben. Wie der berühmte Schweizer Schriftsteller Max Frisch sagte: „Wir erwarteten Arbeitskräfte, es kamen Menschen“.

Hüzünlü Gurbet, 60lı yılların başlarından itibaren yola revan olup, önce Almanya`ya, daha sonra diğer Avrupa ülkelerine işçi olarak gelenlerin hikayesi. Her birininki kendine özgü, anlatsam roman olurdedikleri hikayeler. Gelirken geride bıraktıkları bağrı yanık ananın, eli kınalı yârin, ciğerpare evladın hasretini anlatan türkülerde gizli onların özlemleri. Yaşadıkları tüm zorluklara rağmen, bir gün gelir daha iyi şartlarda toprağıma, baba ocağıma dönerim umuduyla geceyi gündüze kattıkları, gamı ekmeğe katık ettikleri günlerin hikayesi. Her geçen gün bu hayallerinin, umutlarının biraz daha ertelendiği, yarınlara kaldığı günlerin. Yıllar yılları kovalarken saçları ağaran, en ağır koşullarda çalışmaktan dizlerinde derman, gözlerinde fer kalmayanların. Bellerini büküp umut ışıklarını söndüren zalım gurbetin hikayesi. Bugün bizler, içinde bulunduğumuz toplumlarda daha iyi koşullarda yaşama imkanını elde edip bu toplumların birer ferdi olmuşsak, ağzımız laf yapıp elimiz ekmek tutuyor ve saygın konumlarda çalışabiliyorsak, bunu o çilekeş büyüklerimizin fedakarlıklarına borçluyuz. Hayatta olanlarını saygı ve hürmetle, bu dünyadan göçmüş olanlarını rahmetle yad ediyoruz.

Fatma Karakoç (Oğuz)

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