🗳️ Volksabstimmung am 28. September: Schweiz entscheidet über das neue E-ID-Gesetz
Am 28. September stimmen die Schweizer Stimmberechtigten über die Einführung einer staatlichen elektronischen Identität (E-ID) ab. Die Vorlage gilt als Schlüsselprojekt der Digitalisierung, ist aber zugleich von intensiven Debatten über Datenschutz, Sicherheit und staatliche Kontrolle begleitet.
🔍 Worum geht es?
Die E-ID soll eine digitale Version des amtlichen Ausweises sein. Damit können Bürgerinnen und Bürger ihre Identität online nachweisen – etwa für Behördengänge, Bankgeschäfte oder Vertragsabschlüsse.
- Die Ausgabe der E-ID liegt beim Bund, nicht mehr bei privaten Anbietern.
- Die Nutzung ist freiwillig und soll kostenlos sein.
- Grundlage ist das neue Bundesgesetz über elektronische Identifizierungsdienste (E-ID-Gesetz).
Bereits 2021 lehnte die Bevölkerung eine erste Vorlage ab, weil diese die technische Umsetzung privaten Firmen überlassen hätte. Mit dem neuen Modell übernimmt der Staat die volle Verantwortung.
✅ Argumente der Befürworter
- Mehr Sicherheit: Persönliche Daten werden zentral beim Bund verwaltet, private Konzerne haben keinen Zugriff.
- Praktischer Nutzen: Einfache Identifikation bei Online-Diensten – von Steuererklärungen bis zum Online-Shopping.
- Vertrauen: Nach der gescheiterten Version 2021 sei dies ein „sauberer Neustart“ mit klarer staatlicher Kontrolle.
- Digitalisierung fördern: Die Schweiz hinke im internationalen Vergleich hinterher – die E-ID soll das ändern.
👉 Unterstützt von Bundesrat, den meisten Parteien (FDP, Die Mitte, SP, Grüne, GLP, SVP in Teilen) sowie Wirtschaftsverbänden.
❌ Argumente der Gegner
- Datenschutz-Risiken: Zentrale Datenbestände könnten Ziel von Hackerangriffen werden.
- Staatliche Überwachung: Kritiker befürchten eine Ausweitung staatlicher Kontrollmöglichkeiten im digitalen Raum.
- Technische Unsicherheit: Funktionalität und Sicherheit einer neuen Infrastruktur seien nicht ausreichend getestet.
- Freiwilligkeit in Frage: Langfristig könnte indirekter Zwang entstehen, wenn digitale Identifikation zur Norm wird.
👉 Widerstand kommt vor allem von Datenschutzorganisationen, zivilgesellschaftlichen Gruppen und einzelnen netzpolitischen Bewegungen.
⚖️ Positionen der Parteien
- FDP.Die Liberalen / Die Mitte / GLP: Klar Ja. Digitalisierung müsse staatlich vorangetrieben werden.
- SP & Grüne: Ebenfalls Ja, mit Hinweis auf staatliche Verantwortung und Gleichstellung beim Zugang.
- SVP: Mehrheitlich Ja, aber mit kritischen Stimmen zu Datenschutz und „digitalem Zwang“.
- Piratenpartei, Datenschutzinitiativen: Nein, wegen Bedenken zu Überwachung und Datensicherheit.
📊 Umfragen
Erste Umfragen von SRG SSR zeigen ein deutliches Ja-Lager, das aber von einer noch hohen Zahl Unentschlossener abhängig bleibt. Vor allem ältere Stimmberechtigte äußern Vorbehalte, während Jüngere die Chancen einer digitalen Identität stärker sehen.
🧭 Analyse: Was steht auf dem Spiel?
Ein Ja bedeutet:
- Die Schweiz erhält eine einheitliche, staatlich kontrollierte digitale Identität.
- Verwaltung und Wirtschaft könnten Prozesse stark vereinfachen.
- Vertrauen in den digitalen Staat soll gestärkt werden.
Ein Nein bedeutet:
- Status quo bleibt: keine offizielle E-ID.
- Digitale Dienste müssen weiterhin mit unterschiedlichen Identifikationssystemen arbeiten.
- Eine Rückkehr der Debatte in einigen Jahren ist wahrscheinlich.
📌 Fazit
Die Abstimmung über die E-ID ist mehr als nur eine technische Frage. Es geht um das Verhältnis zwischen Sicherheit und Freiheit, um digitale Teilhabe und darum, wie viel Vertrauen die Bevölkerung in den Staat im digitalen Raum hat.
👉 Am 28. September entscheidet die Schweiz nicht nur über eine neue digitale Infrastruktur, sondern auch über die Weichenstellung ihrer digitalen Zukunft.












